Wie sich einzelne Komponenten und Baugruppen des Stromers mit dem System Integration Test (SIT) testen lassen, steht hier.
Neben den Komponenten ist auch deren Verkabelung eine Fehlerquelle. Folgende Probleme können auftreten:
- Korrodierte oder lose Steckverbindungen
- Gequetschte, gerissene oder angescheuerte Kabel
- Ausgesteckte Stecker
Aufgrund der bei Stromer mehrheitlich verwendeten Inframe-Verkabelung ist eine Kontrolle nicht immer einfach. Nachfolgend habe ich eine Liste zusammengestellt, die mögliche Fehlerquellen im Zusammenhang mit der Verkabelung zeigt.
TMM-Sensor → Steckverbindung / Kabel
Ältere Modelle hatten ein durchgehendes Kabel vom Sensor bis zum Omni. Neuere verwenden eine Steckverbindung in der rechten Kettenstrebe.

Gibt es Probleme mit der Unterstützung, ist oft der TMM-Sensor im Visier. Obwohl er nicht an erster Stelle der Fehlerquellen steht, lohnt sich eine Überprüfung der Verdrahtung.

Bei diesem P178 wurde das Kabel durch einen fehlerhaften Einbau gequetscht. Neuere TMM-Sensoren (P211/P218) sind vergossen, und das Problem stellt sich nicht mehr.
Motorkabel an der linken Kettenstrebe
Bei älteren Modellen führten drei Kabel zum Motor (Motorkabel sowie Hall- und Temperatursensor), wobei Hall- und Temperatursensor kurz vor dem Motor wieder zu einem wurden. Zudem gab es einen Programmieranschluss für Nabenmotoren mit integriertem Controller.

Bei neueren Modellen reduzierte man die Verkabelung auf eine Higo-Schraubverbindung, die alle Verbindungen zum Motor beinhaltet (3-Phasen-Motorkabel, Hall- und Temperatursensoren). Das Kabel läuft nahe an der Bremsscheibe vorbei und muss mit einem Kabelbinder in Position gehalten werden.

Bei den ST2 (Bj. 2016) / ST2S ist der Motorstecker direkt am Motorflansch verbaut. Bei diesem Typ sind es Kabelbrüche oder mechanische Probleme, welche zu Störungen bei der Unterstützung führen. Eine Reparatur ist schwierig, meist muss man das Kabel ersetzen.

Motorkabel im Trelagerbereich
Bei den Modellen mit Controller unter dem Unterrohr führen die drei Motor-Phasenkabel durch den Tretlagerbereich zum Motor. Die Modelle der ST2-Plattform (ST1x / ST2 / ST2S) waren dabei von einem „Designfehler“ betroffen: Die Motorkabel-Steckverbindungen zum Controller waren nicht versiegelt. Stromer hat 2018 ein TSB (Technical Service Bulletin / Arbeitsanweisung) für diese Modelle herausgegeben, das beschreibt, wie die Motorkabel nachträglich versiegelt werden können.

Bei den alten ST1 V1/V1.1 führten die Motorkabel über die linke Kettenstrebe. Feuchtigkeit in Kombination mit Stromfluss führte dort bei den Steckverbindungen manchmal zu Korrosion, gut zu sehen an den blau/grünen Ablagerungen, dem sogenannten Grünspan.

Wicket Cable
Das Wicket Cable stellt die Verbindung des Akkuausgangs mit dem Controller her und ist im Bereich Akkufach/Tretlager zu finden. Es verbindet die Bordspannung (48 V oder 36 V), die Hilfsspannung 12 V (oder 6 V) für das Omni sowie die CAN-Bus-Verbindung des Akkus mit der Bordelektrik. Aufgrund von Überlastungen des 48-V-Strangs und teilweise auch Feuchtigkeit im Tretlagerbereich kann die Steckverbindung (SAE-Stecker) korrodieren, in der Folge durchschmoren und/oder Kurzschlüsse verursachen.

Distribution Board (ST1, ST2-Belt, ST7)
Die Modelle ST1, ST2-Belt und ST7 haben den Controller im Unterrohr verbaut. Die Verbindung zur Fahrradelektrik wird über ein Distribution Board hergestellt. Feuchtigkeit (Kondenswasser) im Akkufach kann zur Korrosion des Distribution Boards führen, was Fehlfunktionen zur Folge hat.


Distribution Board ST5 (frühe Baujahre), ST2, ST2S, ST1x
Die ersten Chargen der ST5 hatten ein Distribution Board im Vorbau. Feuchtigkeit sowie eingedrungenes Wasser führten zu Korrosion und Kontaktproblemen und entsprechenden Fehlern. Dasselbe Problem hatten die ST1x, ST2 und ST2S, welche das Distribution Board oben im Akkuschacht montiert hatten.

Stromer bietet für den ST5 ein Upgrade an, bei dem das Distribution Board im Vorbau entfernt und durch eine neue Verkabelung ersetzt wird.
Akkusockel, Ladebuchse, Akkufachbuchse
Stromer verwendet für lösbare Verbindungen die magnetische Rosenberger-Verbindung. Zu den lösbaren Verbindungen gehören der Ladegerätestecker, die Ladebuchse im Stromer, der Akkusockel sowie die Rosenbergerbuchse ganz unten im Akkufach. Die Rosenberger-Steckverbindung ist praktisch und durch ihre magnetische Eigenschaft auch im Fahrbetrieb sicher verbunden. Allerdings neigt sie bei Feuchtigkeit in Kombination mit Stromfluss zu Korrosion. Durch die magnetische Eigenschaft zieht sie zudem kleinste Metallpartikel an, die zu Kriechströmen oder Kurzschlüssen führen können. Die gefederten Pins im Akkufachsockel und im Ladestecker können ebenfalls eine Fehlerquelle sein.

Bremshebelkontakte
Die Bremshebel haben einen eingebauten Reedschalter, der das Bremslicht steuert und die Rekuperation auslöst. Der rechte Bremshebel wird zudem für den Zugang zum Servicemenü benötigt. Bei Modellen mit Magura-Bremsen sind die Bremskabel zwischen Bremshebel und Rahmen mit einer Steckverbindung versehen.

Probleme mit den Reedschaltern sind selten, die Steckverbindung bei den Magurabremsen ist aber eine Fehlerquelle.
Gerissene Kabel
Die Verkabelung des Stromers ist im Rahmen untergebracht, wo es teilweise sehr eng ist. Besonders die Drehbewegung des Lenkers beansprucht die Verkabelung mechanisch. Dieses Fehlerbild ist selten, aber es kann vorkommen, dass ein Kabel aufgrund fehlerhafter Montage reisst oder gequetscht wird.

Omni-Anschlussboard
Im Omni laufen alle Informationen zusammen, demenstprechend auch alle Kabel aus den Peripheriegeräten.

In diesem Beispiel gab es Probleme mit dem TMM-Sensor. Ursache war ein ausgestecktes TMM-Sensorkabel. Bei der Montage muss darauf geachtet werden, dass die Stecker sauber im Steckersockel einrasten.
Neben losen Steckern gibt es beim Omni, wie auch bei anderen Steckverbindungen, das Problem der Korrosion. Das typische Bild korrodierter Steckverbindungen sind grün-blaue Ablagerungen – der sog. Grünspan. Er entsteht durch Feuchtigkeit in Kombination mit Stromfluss und führt zu Kontaktproblemen und Fehlfunktionen.

Omni Display – Wasser
Auch das Omni Display kann durch eindringendes Wasser Schaden nehmen. Es kann nicht repariert werden. Das ganze Omni muss ersetzt werden.
